Unglückliche Niederlage im Verfolgerduell gegen Erzgebirge Aue
Es war ein einziger Punkt, der sich aber wie ein roter Faden durch den gesamten Kampfabend zog. In fünf der insgesamt zehn Duellen fehlte der KG Baienfurt-Ravensburg-Vogt im Bundesligaduell mit Erzgebirge Aue jeweils nur eine Einser- oder Zweierwertung, um sich die bessere Ausbeute für das Mannschaftskonto zu sichern. Am Ende eines spannenden und hochklassigen Kampfabends fehlten dann eben jener eine Mannschaftspunkt, um sich für eine gute Leistung vor heimischem Publikum zu belohnen. Mannschaftsführer Dariusz Jelen sagte unmittelbar nach der bitteren 14:15-Niederlage: „Das ist echt schade, dass wir da nichts Zählbares mitnehmen können. Wenn die Kämpfe so eng sind und wir es dann in keinem schaffen, die höhere Wertung zu erzielen, fehlt auch einfach ein bisschen das Glück.“
Vorweg war klar, dass sich die Oberschwaben in den unteren beiden Gewichtsklassen ein Polster aufbauen müssen, um das starke Schlusstrio der Sachsen abzufedern. Norik Harutyunyan (61 kg Freistil) gewann zum Auftakt gegen den jungen Teetje Richter zwar mit 10:0, konnte seine vielen Beinangriffe aber oft nicht in zählbares umwandeln und verpasste damit einen Überlegenheitssieg. Mit gebrochener Nase stellte sich Jan Zirn (130 kg griechisch-römisch) seinem hart ringendem Konkurrenten Connor Sammet. Das KG-Eigengewächs ließ nicht viel zu und hielt die Niederlage mit 2:8 im Rahmen. Auch Rashad Orujevi (66 kg griechisch-römisch) hatte, wie auch Harutyunyan zu Beginn, Probleme mit seinem jungen Kontrahenten Mark Wagner. Der Baienfurter konnte kaum technische Punkte sammeln und sorgte mit seinem 6:0-Erfolg für nur zwei Mannschaftspunkte für das Konto der Oberschwaben. „Das ist in den unteren beiden Gewichtsklassen mit der Qualität und dem Kaliber des Gegners einfach zu wenig, das hat uns am Ende dann auch gefehlt“, kritisiert Cheftrainer Simon Weißhaar.
Überzeugen hingegen konnte erneut Baienfurts Leistungsträger Radu Lefter (98 kg Freistil), der den erfahrenen Patryk Dublinowski konditionell ans Limit brachte und sich einen Überlegenheitssieg sicherte. Vor der Pause gab KG-Youngster Ruwen Hund (71 kg Freistil) dann sein Bundesliga-Heimdebüt. Gegen den flinken Beachwrestling-Weltmeister Pavel Graur lag der Baienfurter nach einer Beinschraube früh mit 0:9 zurück. Das KG-Talent gab sich nicht auf, versuchte viel und sicherte sich unter frenetischem Jubel eine Zweierwertung. Zehn Sekunden vor Schluss musste er dann doch nochmal eine Einserwertung hinnehmen, die den Sachsen schlussendlich die bessere Wertung bescherte. KG-Vorstand Markus Bohmeier attestierte seinem Schützling dennoch einen „sensationellen Kampf“. Auch nach der Pause ging es erneut um den einen Punkt. Daniel Cataraga (86 kg griechisch-römisch) marschierte gegen Robert Schröder sechs Minuten vorwärts und drängte seinen Kontrahenten immer wieder von der Matte. Die Verwarnungen für die ausschließlich passive Ringweise des Gästeringers ließ Kampfrichterin Franziska Stadtmüller zum Unverständnis der KG-Verantwortlichen stecken und so verpasste Cataraga den Überlegenheitssieg mit seinem 14:0 denkbar knapp.
Auch Valeriu Toderean (75 kg griechisch-römisch) hatte es in Marco Stoll mit einem Gegner zu tun, der ausschließlich auf Schadensbegrenzung aus war. In der Bodenlage verhalf sich Stoll zweimal mit Beinarbeit, um den Ausheber Todereans zu verhindern, was von der Kampfrichterin aber erneut nicht geahndet wurde. So blieben beim 6:0 weitere wichtige Punkte auf der Strecke. Stoll reckte die Faust in Richtung Gästeecke, wohl wissend, dass er dem Schlusstrio der Sachsen mit seinem Ergebnis eine gute Auslage verschaffen hatte. Gegen den amtierenden U20-Weltmeister Ryoya Yamashita zeigte Marcel Käppeler (80 kg Freistil) eine beherzte Leistung und befreite sich immer wieder stark aus misslichen Lagen. Sieben Sekunden vor Schluss kassierte der Baienfurter noch eine Zweierwertung, die wieder gleichbedeutend mit dem höheren Mannschaftsergebnis für Erzgebirge Aue war (0:9). „Marci hat einen unfassbar guten Kampf geliefert. Am Ende ist es halt einfach ärgerlich“, lobt Weißhaar den Baienfurter Publikumsliebling trotz Niederlage. Nachdem Fernando Mahmoud (75 kg Freistil) keine Chance gegen Vasile Diacon hatte und vorzeitig verlor, gingen die Oberschwaben mit zwei Punkten Vorsprung in den letzten Kampf des Abends.
Hier traf Baienfurts Nick Allgaier (80 kg griechisch-römisch) auf den erfahrenen Italiener Luca Dariozzi. Nach gerade einmal elf Sekunden ging ein Raunen durch die Halle, als der mehrfache italienische Meister den KG-Ringer erstmals in die gefährliche Lage beorderte. Der Baienfurter konnte sich zwar wieder befreien, musste eine Minute später allerdings erneut eine Viererwertung hinnehmen. Die restliche Kampfzeit verwaltete Dariozzi seinen Vorsprung und setzte immer wieder Nadelstiche. Nach sechs Minuten stand ein 14:0-Erfolg für den Italiener, die Gäste stürmten die Matte und feierten ihren 15:14-Auswärtssieg. „Da wäre mit den Kampfverläufen heute definitiv mehr drin gewesen“, sagt Mannschaftsführer Dariusz Jelen enttäuscht. Nach der Niederlage rutschen die Oberschwaben auf den zwölften Tabellenplatz ab und reisen in der nächsten Woche zum nächsten Verfolgerduell zum Tabellen-10. Mainz.
Die Ergebnisse im Einzelnen:
61 kg Freistil: Norik Harutyunyan – Teetje Richter 10:0, Zwischenstand 3:0
130 kg griechisch-römisch: Jan Zirn – Connor Sammet 2:8, Zw. 3:2
66 kg griechisch-römisch: Rashad Orujevi – Mark Wagner 6:0, Zw. 5:2
98 kg Freistil: Radu Lefter – Patry Dublinowski 15:0, Zw. 9:2
71 kg Freistil: Ruwen Hund – Pavel Graur 2:10, Zw. 9:5
86 kg griechisch-römisch: Daniel Cataraga – Robert Schröder 14:0, Zw. 12:5
75 kg griechisch-römisch: Valeriu Toderean – Marco Stoll 6:0, Zw. 14:5
80 kg Freistil: Marcel Käppeler – Ryoya Yamashita 0:9, Zw. 14:8
75 kg Freistil: Fernando Mahmoud – Vasile Diacon 0:17, Zw. 14:12
80 kg griechisch-römisch: Nick Allgaier – Luca Dariozzi 0:14, Endstand 14:15