KG schrammt in Greiz nur hauchzart an einer Überraschung vorbei
„Es war alles super eng und dann am Ende ein taktischer Kniff der Greizer, der den Ausschlag gegeben hat“, fasst KG-Cheftrainer Simon Weißhaar den Kampfabend zusammen. Am zweiten Kampftag der 1. Bundesliga traf die KG Baienfurt auswärts auf den RSV Rotation Greiz und musste sich nach spannenden und teils spektakulären Kämpfen knapp mit 11:14 geschlagen geben. Bereits im Vorfeld war klar, dass die Oberschwaben einen Sahnetag benötigen würden, um den Thüringern gefährlich werden zu können. Beim Anblick der Aufstellung zeigte sich dann, dass die Gastgeber in der untersten Gewichtsklasse auf ihren Leistungsträger Razvan Marian Kovacs verzichteten, um in Ramazan Sari einen ehemaligen U23-Europameister gegen Baienfurts Marcel Käppeler (80 kg Freistil) aufbieten zu können. „Das hat uns schon ein bisschen überrascht und ihnen dann schlussendlich in die Karten gespielt“, sagt Weißhaar.
Vor einer schönen Kulisse von knapp 1000 Fans begann der Kampfabend aus Sicht der Oberschwaben erfolgreich. Norik Harutyunyan (61 kg Freistil) bezwang die deutsche Nachwuchshoffnung Karamjeet Holstein souverän mit 7:1 und bescherte der Gästeecke einen Auftakt nach Maß. In einem ereignisarmen Kampf setzte sich RSV-Athlet Ilja Klasner gegen KG-Eigengewächs Jan Zirn (130 kg griechisch-römisch) knapp mit 2:0 durch, bevor es in der Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm im griechisch-römischen Stil zum Kräftemessen zweier absoluter Top-Athleten kam. Baienfurts Neuzugang Rashad Orujevi wurde vom aserbaidschanischen Spitzenringer Murad Mammadov gefordert, der 2024 Europameister und 2023 Vizeweltmeister wurde. Orujevi musste noch vor der Pause in die Bodenlage und gab dort eine Viererwertung ab. Nach der Pause kämpfte er sich wieder heran, hatte nach intensiven sechs Minuten aber mit 2:5 das Nachsehen.
Erneut souverän agierte Baienfurts Punktegarant Radu Lefter (98 kg Freistil), der den mehrfachen deutschen Meister Lucas Kahnt voll im Griff hatte, mit dem Schlussgong noch eine letzte Wertung erzielte und dadurch einen 8:0-Erfolg und drei Punkte für das Mannschaftskonto der Gäste feiern konnte. Vor der Pause traf KG-Youngster Willi Lehn (71 kg Freistil) auf Moritz Langer, deutscher Vizemeister von 2025. Der Baienfurter fand kein Mittel gegen den cleveren Greizer, der ebenfalls kurz vor Schluss noch eine Wertung zum 8:0 für die Gastgeber erzielte. Beim Halbzeitstand von 6:5 war der Kampfausgang weiterhin völlig offen. Im Voraus wurde der Kampf zwischen dem Greizer Neuzugang Tunjay Vazirzade und KG-Leistungsträger Daniel Cataraga (86 kg griechisch-römisch) zu einem Schlüsselkampf des Abends ausgemacht. Den beiden Punktegaranten war dies bewusst, dementsprechend spektakulär begann das Duell. Eine Viererwertung Cataragas nach nur 15 Sekunden konterte der Aserbaidschaner im Trikot der Greizer nur zehn Sekunden später ebenfalls mit einer Viererwertung. Es folgte ein hitziges aber immer faires Duelle, mit dem besseren Ende für Vazirzade (8:5).
„In den engen Kämpfen wie bei Rashad Orujevi und Cataraga hat uns dann auch das Quäntchen Glück gefehlt, das es braucht, um gegen solche Top-Ringer wie die der Greizer zu gewinnen“, so KG-Trainer Weißhaar. Ein Sonderlob des Trainerteams holte sich an diesem Abend Valeriu Toderean (75 kg griechisch-römisch) für seine Leistung gegen den dritten Europameister Cengiz Arslan ab. Der Baienfurter bezwang den türkischen Leistungsträger der Thüringer mit 7:4 und brachte die Oberschwaben damit erneut in eine gute Ausgangsposition. „Das war schon unfassbar stark von Valeriu, vor dieser Leistung ziehe ich meinen Hut“, sagt Weißhaar beeindruckt. Im Anschluss hielt Marcel Käppeler (80 kg Freistil) gegen seinen starken Gegner Ramazan Sari, verlor aber dennoch knapp mit 0:4. Die taktische Umstellung der Greizer ging auf und so konnte der überragende Moldauer Nicolay Grahmez (75 kg Freistil) den Gesamtsieg für die Hausherren mit einem Erfolg im nächsten Kampf schon perfekt machen.
Daran ließ er keine Zweifel aufkommen, besiegte Fernando Mahmoud technisch überlegen und besiegelte so die Auswärtsniederlage der Oberschwaben. Zum Abschluss traf Nick Allgaier (80 kg griechisch-römisch) auf Serdar Durmus. Nach einem wilden Hin und Her stand es 30 Sekunden bereits 6:4, als der KG-Ringer Durmus in die gefährliche Lage beorderte. Bei dieser Aktion verletzte sich der Greizer und brach ab, woraufhin der Kampf zugunsten des Baienfurters gewertet wurde und der KG damit ein achtbares Ergebnis bescherte. Die 11:14-Niederlage zeigt, dass die Oberschwaben auch mit den Spitzenteams der Liga mithalten können und lässt die Verantwortlichen zuversichtlich auf weitere Aufgaben blicken. „Ich bin auf jeden Fall stolz auf die Truppe. Jeder hat alles reingeworfen und den Schwung können und müssen wir jetzt mitnehmen“, lautet das Fazit von Weißhaar. Die Aufgabe in der nächsten Woche wird für die Oberschwaben dabei nicht einfacher. In eigener Halle empfängt die KG den Titelfavoriten SC Kleinostheim, der nach zwei Kampftagen mit einer Bilanz von zwei Siegen und 60:6 Punkten an der Spitze der 1. Bundesliga steht.
Die Ergebnisse im Einzelnen:
61 kg Freistil: Karamjeet Holstein – Norik Harutyunyan 1:7, Zwischenstand 0:2
130 kg griechisch-römisch: Ilja Klasner – Jan Zirn 2:0, Zw. 1:2
66 kg griechisch-römisch: Murad Mammadov – Rashad Orujevi 5:2, Zw. 3:2
98 kg Freistil: Lucas Kahnt – Radu Lefter 0:8, Zw. 3:5
71 kg Freistil: Moritz Langer – Willi Lehn 8:0, Zw. 6:5
86 kg griechisch-römisch: Tunjay Vazirzade – Daniel Cataraga 8:5, Zw. 8:5
75 kg griechisch-römisch: Cengiz Arslan – Valeriu Toderean 4:7, Zw. 8:7
80 kg Freistil: Ramazan Sari – Marcel Käppeler 4:0, Zw. 10:7
75 kg Freistil: Nicolay Grahmez – Fernando Mahmoud 16:0, Zw. 14:7
80 kg griechisch-römisch: Serdar Durmus – Nick Allgaier Aufgabesieg, Endstand 14:11