Vizemeister Heusweiler zeigt den Oberschwaben die Grenzen auf
Den Saisonabschluss in der 2. Bundesliga Süd hatte sich die KG Baienfurt-Ravensburg-Vogt anders vorgestellt. Beim Vizemeister AC Heusweiler konnten die Oberschwaben zwar viele Einzelduelle offen gestalten, unterlagen aber schlussendlich klar mit 8:17. „Wir wollten natürlich gewinnen, wussten aber, dass es gegen diese starke Mannschaft sehr schwer werden wird“, sagt KG-Trainer Dariusz Jelen. Ausschlaggebend war für den Baienfurter Trainer vor allem die unbesetzte Gewichtsklasse bis 71 Kilogramm. „Valeriu (Toderean) hat in den letzten beiden Wochen immer extrem viel Gewicht gemacht. Es war klar, dass er das nicht noch einmal machen kann“, sagt Jelen. Die Oberschwaben starteten damit schon mit einer Hypothek von minus vier Punkten in den Kampfabend, was die Aufgabe im Saarland deutlich erschwerte.
Auch der Auftakt verlief aus Sicht der Gäste denkbar ungünstig. KG-Ringer Veaceslav Mamulat (61 kg griechisch-römisch) lag gegen Nico Altmeyer nach zwei Minuten bereits mit 13:0 in Front und hätte nur noch eine Aktion landen müssen, um das Duell mit einer technischen Überlegenheit für sich zu entscheiden. Aus für Jelen unerklärlichen Gründen verlor der Baienfurter dann aber den Faden, gab Punkt um Punkt ab und gab das Duell beim Endstand von 13:13 noch ab. Erneut souverän zeigte sich Radu Lefter (130 kg Freistil), der Philipp Köhler technisch überlegen besiegte und damit in der kompletten Saison ungeschlagen blieb. Ohne Chance war KG-Youngster Willi Lehn (66 kg Freistil) gegen den erfahrenen Nico Antonio Zarcone. Nach einer Aktion am Mattenrand, bei der dem Baienfurter kurzzeitig die Luft wegblieb, fand er nicht mehr in den Kampf und musste eine technische Niederlage einstecken.
Ein enges Duell lieferten sich KG-Mann Jan Zirn (98 kg griechisch-römisch) und der Heusweiler Sebastian Janowski. Beide konnten keine Aktion landen, allerdings erhielt der Baienfurter die zweite Passivitätsverwarnung, wodurch das Duell beim Stand von 1:1 aufgrund der letzten Wertung an Janowski ging. Nachdem die nächsten Punkte kampflos an die Gastgeber gingen (71 kg griechisch-römisch), lagen die Oberschwaben zur Pause mit 4:10 zurück. In der zweiten Hälfte konnten dann auch die Gäste wieder punkten. KG-Ringer Andreas Walter (86 kg Freistil) trotzte der laut Trainer Jelen fast gar unsportlichen Ringweise von Mojtaba Ziaei und gewann mit 4:2. Aus seiner Verletzung zurückgekehrt, war Jannis Rebholz (75 kg Freistil) noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte und unterlag Zielimkhan Tohuzov mit 0:10. „Er ist noch nicht ganz schmerzfrei und war dann einfach ein bisschen zu vorsichtig“, meint Jelen.
Damit lag auf dem Duell zwischen Baienfurts Leistungsträger Daniel Cataraga (80 kg griechisch-römisch) und dem langjährigen Bundesligaringer Ruhullah Gürler schon ordentlich Druck drauf. Der KG-Ringer war wie gewohnt der deutlich aktivere Part, beschäftigte seinen Kontrahenten über die volle Kampfzeit und setze sich mit 3:0 durch. Gegen den achten der diesjährigen U23-Weltmeisterschaft, Nika Broladze, musste Baienfurts Valeriu Toderean (75 kg griechisch-römisch) damit schon eine Höchstwertung holen, damit der Gesamtsieg für die Oberschwaben noch möglich ist. Der Georgier im Trikot des AC wehrte sich clever gegen den Baienfurter Leistungsträger und unterlag nur mit 4:6. Der KG-Mann blieb damit, wie auch Radu Lefter schon, in einer starken Gewichtsklasse in dieser Saison unbesiegt. Zum Abschluss war Georgi Sulava eine Nummer zu groß für Baienfurts Marcel Käppeler (80 kg Freistil). Mit einer technischen Überlegenheit sicherte der Georgier, EM-Bronzemedaillengewinner 2022, dem AC Heusweiler den verdienten 17:8-Gesamtsieg.
KG-Trainer Dariusz Jelen zeigte sich dennoch zufrieden mit seiner Mannschaft und lobt den Kampfgeist der Oberschwaben: „Wie die ganze Saison auch schon hat man heute wieder gesehen, dass einfach jeder alles gibt und sich für die Mannschaft reinhängt.“ Trotz der Niederlage beenden die Oberschwaben die Saison in der 2. Bundesliga Süd auf einem guten dritten Tabellenplatz. „Wir haben schöne und attraktive Kämpfe gezeigt und können sehr zufrieden sein“, lautet das Resümee von KG-Trainer Jelen. Jetzt gelte es, die Pause gesund zu überstehen, um dann im nächsten Jahr wieder vorne anzugreifen. In welcher Liga und in welchem Modus die Oberschwaben dann antreten werden, steht aktuell noch in den Sternen. Erst einmal muss auf die Entscheidung des deutschen Ringerbundes gewartete werden, bevor es eventuell eine erneute Ligenreform der Bundesligen geben wird.
Die Ergebnisse im Einzelnen:
61 kg griechisch-römisch: Nico Altmeyer – Veaceslav Mamulat 13:13, Zwischenstand 1:0
130 kg Freistil: Philipp Köhler – Radu Lefter 0:15, Zw. 1:4
66 kg Freistil: Nico Antonio Zarcone – William Lehn 16:1, Zw. 5:4
98 kg griechisch-römisch: Sebastian Janowski – Jan Zirn 1:1, Zw. 6:4
71 kg griechisch-römisch: Christopher Klesen – ohne Vertreter, Zw. 10:4
86 kg Freistil: Mojtaba Ziaei – Andreas Walter 2:4, Zw. 10:5
75 kg Freistil: Zielimkhan Tohuzov – Jannis Rebholz 10:0, Zw. 13:5
80 kg griechisch-römisch: Ruhullah Gürler – Daniel Cataraga 0:3, Zw. 13:7
75 kg griechisch-römisch: Nika Broladze – Valeriu Toderean 4:6, Zw. 13:8
80 kg Freistil: Giorgi Sulava – Marcel Käppeler 16:0, Endstand 17:8