KG Baienfurt mit starkem Auftritt bei den German Masters in Warnemünde

(von Michael Wolff)

Warnemünde: Die German Masters sind längst mehr als nur eine deutsche Meisterschaft für
Veteranen. Jahr für Jahr treffen sich dort ehemalige Spitzenringer, langjährige Ligakämpfer
und spätberufene Mattenkämpfer, um sich auch jenseits der 35 noch mit den aktiven
Ringern Deutschlands zu messen. Bei den Titelkämpfen 2026 an der Ostsee war die KG
Baienfurt erneut stark vertreten – und das mit einer besonderen Geschichte im Gepäck.
Mit Ralf Grüble und Michael Wolff standen zwei Athleten auf der Matte, die bereits zum
dritten Mal bei den German Masters antraten. Nach den Meisterschaften in Neuss und
Ehningen war nun Warnemünde die nächste Station. Neu im Bunde war Hashmat Akbari,
der in diesem Jahr seinen 35. Geburtstag feierte und damit erstmals startberechtigt war.
Gemeinsam vertraten die drei Athleten die Farben der KG Baienfurt eindrucksvoll und
sorgten für mehrere Podestplätze.


Besonders erfolgreich verlief das Wochenende für Hashmat Akbari in der Klasse bis 88
Kilogramm. Der technisch starke Freistilringer zeigte gleich bei seinem Debüt, dass mit ihm
künftig auch auf nationaler Ebene zu rechnen ist. Bereits im ersten Kampf setzte er gegen
Andrei Kosintsev mit einem sehenswerten Axelwurf ein Ausrufezeichen und gewann durch
technische Überlegenheit mit 10:0 Punkten. Auch gegen Eugen Brant ließ Akbari seinem
Gegner keine Chance und beendete den Kampf erneut vorzeitig. Dabei zeigte er mit einem
spektakulären Suplex einen der technisch schönsten Würfe des gesamten Turniers.
Im Halbfinale gegen Rico Richter bewies Akbari anschließend taktisches Geschick und
setzte sich in einem engen Kampf mit 8:6 Punkten durch. Erst im Finale wurde seine
Siegesserie gestoppt. Gegen Iraklii Salakaia musste sich der Baienfurter nach hartem Kampf
mit 5:8 geschlagen geben. Dennoch bedeutete der zweite Platz im Freistil einen
hervorragenden Einstand bei den German Masters 2026.


Auch am zweiten Wettkampftag im griechisch-römischen Stil überzeugte Akbari. Mit Siegen
gegen Meik Lieber vom KFC Leipzig und Rico Richter kämpfte er sich souverän durch die
Vorrunde. Besonders bemerkenswert war dabei sein Schultersieg gegen Richter, der unter
anderem bereits in der 2. Bundesliga aktiv war. Im Halbfinale wartete mit Robert Zymara
ein ausgewiesener Greco-Spezialist und Regionalligaringer aus Greifswald. Doch auch hier
behielt Akbari die Oberhand und gewann erneut vorzeitig.


Erst im Finale stoppte ihn Felix Dietrich vom KFC Leipzig, ein erfahrener Zweitbundesliga-
Ringer und Spezialist im griechisch-römischen Stil. Trotz der Niederlage durfte sich Akbari
auch hier über die Silbermedaille freuen und avancierte damit zum erfolgreichsten
Baienfurter Athleten des Wochenendes.


Für Ralf Grüble verlief das Turnier zweigeteilt. Nachdem er im vergangenen Jahr in
Ehningen sowohl Silber im Freistil als auch Bronze im griechisch-römischen Stil gewonnen
hatte, wartete diesmal im Freistil eine außergewöhnlich starke Konkurrenz. Bereits in der
Vorrunde traf Grüble mit Musa Bisultanov auf eine echte Institution der German Masters.
Der Ringer des Lüneburger SV zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten Veteranen
Deutschlands und konnte bereits mehrere deutsche und internationale Titel gewinnen.
Auch gegen Ernst Michael vom ASV Altenheim und gegen Robert „Roby“ Scheffert vom ASV
Germania Freiburg musste sich Grüble geschlagen geben. Besonders Scheffert gehörte
bereits 2025 zu den Titelträgern der German Masters und gilt im südbadischen Ringsport
als echtes Urgestein. Trotz der Niederlagen zeigte Grüble großen Kampfgeist und stellte sich
kompromisslos der hochkarätigen Konkurrenz.


Erfolgreicher lief es für den Kinder- und Jugendtrainer der KG Baienfurt im griechisch-
römischen Stil. Dort kämpfte sich Grüble mit einem wichtigen Sieg gegen Cyriak Cieplik auf
den dritten Platz. Damit sicherte sich Grüble erneut eine Medaille bei den German Masters.
Er blieb somit leider hinter seinen selbstgesteckten Zielen zurück. Als Trainer und Coach
am Mattenrand weiß Grüble zudem genau, wie man aus schwierigen Kämpfen die richtigen
Schlüsse zieht und neue Motivation für zukünftige Aufgaben mitnimmt.
Michael Wolff ging erneut in der Klasse bis 78 Kilogramm an den Start. Der ehemalige
Judoka fand erst vergleichsweise spät zum Ringsport, hat aber in der Zwischenzeit auch
schon die ein oder anderen erfolgreichen Ligaeinsätze für die KG bestritten.
Im Freistil startete Wolff gut ins Turnier. Gegen Marko Weißköppel zeigte er einen
sehenswerten Schulterwurf und gewann anschließend durch Schultersieg. Danach warteten
jedoch mit Mollaei Mohsen und Falk Schlehahn zwei äußerst erfahrene Gegner. Besonders
Schlehahn gehört als Veteranen-Weltmeister und ehemaliger Bundesligaringer seit Jahren
zu den bekanntesten Namen im deutschen Veteranenringen. Trotz engagierter Auftritte
musste Wolff seine Grenzen erkennen und sich am Ende mit Rang fünf zufriedengeben.
Am zweiten Wettkampftag zeigte der Baienfurter im griechisch-römischen Stil jedoch eine
starke Reaktion. Erneut besiegte er Marko Weißköppel mit seiner Spezialtechnik
Schulterwurf (im Judo Seoi-nage genannt) und hielt auch gegen Mollaei Mohsen lange mit,
leider war Mohsen taktisch noch überlegen.

Doch die zwei Kämpfer sollten sich an dem Tag nochmals auf der Matte treffen: im Kampf um Platz drei. Nach einer taktischen Umstellung durch Trainingspartner und Coach Ralf Grüble lief es im entscheidenden Kampf um Platz drei deutlich besser.

Wolff setzte zunächst einen Schulterwurf erfolgreich an, ehe er mit
einem Hüftschwung nachsetzte und seinen Gegner schultern konnte. Damit durfte sich der
ehemalige Judoka über seine erste Medaille bei einem Ringerturnier freuen.
Neben den sportlichen Erfolgen sorgte in Warnemünde noch eine andere Geschichte für
große Aufmerksamkeit innerhalb der Baienfurter Delegation. Erst vor Ort erfuhren die
Athleten, dass die allerersten German Masters im Jahr 1998 ausgerechnet in Baienfurt
ausgetragen wurden. Maßgeblich verantwortlich dafür war damals Willi Betz, der als einer
der wichtigsten Initiatoren der Veteranen-Meisterschaften gilt.


Betz war selbst international erfolgreicher Ringer, Senioren-Weltmeister und mehrfacher
Deutscher Meister. Gemeinsam mit dem Deutschen Ringer-Bund trieb er die Idee einer
nationalen Meisterschaft für Veteranen entscheidend voran. Dass die Premiere 1998 nach
Baienfurt vergeben wurde, war daher kein Zufall. Bis heute erinnert die KG Baienfurt mit
dem internationalen Willi-Betz-Gedächtnisturnier an den viel zu früh verstorbenen
Ringsportpionier.


Auch eine weitere deutsche Ringerlegende war bereits bei der Premiere 1998 dabei: Adolf
Seger, zweifacher Weltmeister und Olympia-Medaillengewinner, gehörte zu den großen
Namen der ersten German Masters. Durch Athleten wie Seger gewann das Turnier schnell
nationale Bedeutung und entwickelte sich zu einer festen Größe im deutschen
Veteranensport.


Dass die KG Baienfurt heute – fast drei Jahrzehnte später – weiterhin regelmäßig Athleten
zu den German Masters entsendet, zeigt die enge Verbindung des Vereins zu dieser
besonderen Meisterschaft. Mit zwei Silbermedaillen durch Hashmat Akbari sowie Bronze
für Ralf Grüble und Michael Wolff kehrten die Oberschwaben auch sportlich erfolgreich von
der Ostsee zurück.
Zusammen bewiesen die drei Athleten eindrucksvoll, dass Leidenschaft, Erfahrung und
Kampfgeist im Ringsport keine Frage des Alters sind.

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